Roman

Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge

Von Brigitte Kiekenap |

Viele Leute sammeln in ihrer Freizeit irgendwas. Briefmarken, Münzen, Steine, Bücher… aber seltener hört man von Menschen, die verlorene Gegenstände sammeln, Dinge, die sie irgendwo finden. Der Schriftsteller Anthony Peardew ist so ein Mensch.

Von abgerissenen Mantelknöpfen über Regenschirme bis hin zu einer mysteriösen, mit Asche gefüllten Keksdose bewahrt Anthony alles auf, versieht es sorgfältig mit Etiketten mit Fundort und Datum und versucht, die Gegenstände ihren ursprünglichen Besitzern zurückzugeben.  Das alles tut er, um den Verlust eines Medaillons aufzuwiegen, das er einmal von seiner verstorbenen großen Liebe Therese geschenkt bekommen hat.

Als Anthony stirbt hinterlässt er sein prächtiges Haus und sein gesamtes Vermögen seiner Assistentin Laura – und mit ihm die Aufgabe, die verlorenen Dinge zu ihren rechtmäßigen Eigentümern zurückzubringen. Laura fühlt sich der Aufgabe nicht gewachsen, aber sie erhält Hilfe von Freddy, dem Gärtner des Hauses und ihrer heimlichen Liebe, und von Sunshine, einem Mädchen mit Downsyndrom aus der Nachbarschaft, welches ihr kaum von der Seite weicht.

Zeitsprung ins Jahr 1974 – die junge Eunice beginnt ihren Job in einem kleinen Verlag als Assistentin des attraktiven Verlegers Bomber. Sie teilen eine unerbittliche Leidenschaft für Filme und eine große Liebe zu Hunden, und Eunice verliebt sich sofort in ihn. Aber sie weiß, dass die beiden nie zusammenkommen werden, und bleibt stattdessen als treue Freundin an seiner Seite, sowohl im Verlagshaus als auch privat, um ihm gegen seine von einem großzügigen Erbe verdorbene Schwester beizustehen, die nicht versteht, warum Bomber sich weigert, ihre gnadenlos abgekupferten Manuskripte zu verlegen. 

Diese beiden Erzählstränge verknüpft Ruth Hogan in ihrem Debütroman „Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge“  geschickt miteinander, ohne dabei aufdringlich zu werden – das volle Ausmaß der Verbindung wird dem Leser erst am Ende des Buches klar. Beide Geschichten strotzen nur so vor britischem Humor, herzerwärmenden Momentaufnahmen und ein klein wenig Mystik. Die Geschichte um Laura ist außerdem durchsetzt mit kleinen Kurzgeschichten um die verlorenen Gegenstände in Anthonys Besitz – ob sie der Fantasie des Autors entsprungen oder die tatsächlichen Hintergrundgeschichten der Gegenstände sind bleibt dem Leser überlassen. All dies macht „Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge“ zu einer leichten Sommerlektüre, die ohne zu viel Kitsch auskommt und Lesern von David Whitehouses „Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek“ und Isabel Bogdans „Der Pfau“ sehr gefallen dürfte.

Details
Ruth Hogan
€ 18,00
Mai 2017
320
978-3-471-35147-5