Roman

Es war alles ganz anders

Von Brigitte Kiekenap |

Vicki Baum ist wohl vielen älteren Lesern bekannt als Autorin von „Menschen im Hotel“, ihrem Roman von 1929, der mit Greta Garbo und Joan Crawford verfilmt wurde. Von der Literaturkritik wurde er eher als „Leichtgewicht“ beurteilt.

Und nun werden ihre Memoiren, die sie bei ihrem Tod 1960 als Fragment hinterließ und die 1962 posthum erschienen, erneut bei Kiepenheuer & Witsch herausgegeben.

Muss mich das interessieren – soll mich das interessieren? Ich habe das Buch aufgeschlagen und an irgendeiner Stelle angefangen zu lesen und….war gefesselt. Selten habe ich eine Autorin gelesen, die so großartig von einfachen Dingen erzählt, so pointiert Menschen und ihre Gefühle beschreibt und dabei mit ihrem lakonischen Stil beim Leser auch immer wieder für ein Schmunzeln sorgt. Ein Beispiel: „Der einzige wirkliche Feind, den ich jemals hatte, war mein Vater – falls es andere gab, bemerkte ich sie jedenfalls nicht.“

Man erfährt in diesen Memoiren viel über die Zeiten vor und zwischen den Kriegen, bekommt eindrucksvolle Porträts von Menschen, denen sie begegnet; nur ihre eigene Person, „eine erstklassige Schriftstellerin zweiter Güte“, bleibt immer etwas im Verborgenen.

Mein Tipp: Schlagen Sie das Buch an einer beliebigen Stelle auf, lesen Sie – und Sie werden sich der Sogwirkung dieser außerordentlichen Erzählerin nicht entziehen können.

Details
Vicki Baum
13,- €
04.10.2018
579
9783462052091