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held

Flix

"Dies sind die Erinnerungen an mein Leben. Es sind alle, die ich habe. Gehen sie angemessen damit um.“

Es gibt zwei essentielle Fragen, die sich ein jeder Mensch im Laufe seines Lebens mindestens einmal stellen wird: Wo komme ich her? Und wo gehe ich hin?

Auch der Berliner Comiczeichner Flix aka Felix Görmann stellte sich diese Fragen – und beschloss 2002, diesen Fragen im Rahmen seiner Diplomarbeit in Form einer autobiografischen Graphic Novel auf den Grund zu gehen.

Eine Graphic Novel ist eine Art Comic für Erwachsene. Sie beschränkt sich meist auf einen Band und behandelt in der Regel tiefgründige Themen, häufig aus Politik und Geschichte, oder bildet eine Neuinterpretation von beliebten Klassikern der Weltliteratur. So hat Flix in späteren Jahren seines Schaffens beispielsweise Goethes „Faust“ oder auch „Don Quijote“ in seinem Stile neu erzählt.

In seinem Stile, das bedeutet: Einfacher, aber prägnanter Zeichenstil meets großes Erzähltalent. Denn wenn Flix etwas kann, dann erzählen: Obwohl sein Zeichenstil vermuten lässt, dass der Inhalt ausschließlich von amüsanter Natur ist, könnte man mit dieser Annahme nicht verkehrter liegen. Im Gegenteil, man wird zum Weinen und Nachdenken nicht nur angeregt, sondern regelrecht gezwungen – man kann gar nicht anders, als an der einen oder anderen Stelle ein Tränchen zu verdrücken oder gespannt den Atem anzuhalten.

Und nun erzählt Flix in diesem seinem Stil sein eigenes Leben. Aber was ist der Unterschied zwischen dieser und so vielen anderen existierenden biografischen Werken, abseits vom gewählten Medium und der Erzählweise? Diese Frage ist leicht zu beantworten: „Held“ ist nicht einfach eine Bestandsaufnahme des Geschehenen von der Geburt bis zum aktuellen Stand – ab diesem Punkt erzählt Flix einfach weiter, und Wahrheit und Fiktion vermischen sich endgültig. Wir als Leser dürfen sein Leben weiter erleben als er selbst, bis zum bitteren Ende, oder zumindest sein Leben so, wie er es sich vorstellt. Er offenbart seine Wünsche und Hoffnungen, und vielleicht auch ein bisschen Durchgeknalltheit, was die Vorstellung vom technischen Fortschritt angeht.

„Held“ eignet sich für jeden, der sich gern fesseln und einfach überraschen lässt.

held

10,- €
Verlag:Carlsen
Seiten:128
Autor:Flix
ISBN:978-3-551-77109-4
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Flix
Flix, Jahrgang 1976, lebt und arbeitet als freier Illustrator und Comiczeichner in Berlin. Er studierte Kommunikationsdesign und debütierte mit seiner Abschlussarbeit »held« bei Carlsen. Es folgten weitere Comics mit autobiografischem Anstrich wie »Heldentage«, seinen Comicstrip, den er seit 2006 auf www.der-flix.de veröffentlicht. Die Zeitungsserien »Da war mal was...« (Tagesspiegel), »Faust« und »Don Quijote« (beide F.A.Z.) liegen als Buchausgaben vor, ebenso die Kindercomicserie »Ferdinand«, die als Gemeinschafts-produkt mit Ralph Ruthe im Kindermagazin des SPIEGLES Dein SPIEGEL erscheint. Derzeit veröffentlicht Flix den Zeitungscomic »Schöne Töchter« in der Sonntagsausgabe des Tagesspiegels. Flix’ Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet u.a. mit dem Max und Moritz-Preis und dem PENG!-Preis.
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