Königsallee

Hans Pleschinski

Thomas Mann, Katja Mann und Erika Mann steigen im August 1954 im Breidenbacher Hof am Ende der Königsallee ab, weil der 79jährige Literaturnobelpreisträger in Düsseldorf aus seinem letzten Roman, dem „Felix Krull“, liest. Aus Düsseldorf stammt Klaus Heuser, von dem Thomas Mann bei einem Sylt-Aufenthalt 1927 verzaubert war und der in den Figuren des Joseph und auch des Felix Krull zu finden ist. Heuser arbeitete einige Jahre als Kaufmann bei der Firma Weyersberg in Ohligs und ging 1936 nach Asien, korrespondierte während der ganzen Zeit mit Thomas Mann.

Auf diesen Fakten basiert „Königsallee“. In Pleschinskis Roman nun, und hier beginnt die Fiktion, nimmt auch Klaus Heuser ein Zimmer im Breidenbacher Hof und trifft mit Mitgliedern der Familie Mann sowie Personen aus der Umgebung des Schriftstellers zusammen, die teilweise eine Begegnung von Thomas Mann mit Heuser verhindern, teilweise für ihre eigenen Ziele nutzen wollen. Wer wissen möchte, ob und wie die beiden sich wiedersehen, muss (nein: will) bis zum Ende lesen.

Die Stärke dieses Romans liegt in der sprachlichen Gestaltung – sowohl bei der Schilderung Düsseldorfs in der Nachkriegszeit als auch bei der Gestaltung der Dialoge, in denen vor allem die Mitglieder der Familie Mann sehr treffend und mit feiner Ironie herausgearbeitet werden.

Wer Thomas Manns Werke kennt und mag, wird mit Pleschinskis Buch großes Vergnügen haben und vieles finden, an das er sich gern erinnert. Aber auch die Darstellung der Verhältnisse im Nachkriegsdeutschland allgemein und in Düsseldorf speziell macht den Roman lesenswert.

Königsallee

19,95
Verlag:C.H.Beck
Seiten:393
Autor:Hans Pleschinski
ISBN:978-3-406-65387-2
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Hans Pleschinski
Hans Pleschinski, geboren 1956, lebt als freier Autor in München. Er veröffentlichte u. a. die Romane "Brabant" (1995), "Bildnis eines Unsichtbaren" (2002), "Leichtes Licht" (C.H.Beck, 2005) und "Ludwigshöhe" (C.H.Beck, 2008), eine Auswahl aus dem Briefwechsel zwischen Voltaire und Friedrich dem Großen und gab das Geheime Tagebuch des Herzogs von Croÿ heraus. Zuletzt erhielt er u. a. den Hannelore-Greve-Literaturpreis (2006), den Nicolas-Born-Preis (2008) und wurde 2012 zum Chevalier des Arts et des Lettres der Republik Frankreich ernannt. Hans Pleschinski ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Künste.
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